TORF:

Definition:
Früher sprach man von Torf, wenn in der Trockenmasse mehr als 30% organische Substanz enthalten war.
Heute spricht man von Moorboden, wenn die organische Substanz (gemessen über den Glühverlust bei 550°C) 75-100%, von Anmoorboden, wenn die organische Substanz 15-75% und von Mineralboden, wenn sie 0-15% beträgt GÖTTLICH (1976).

Torf besteht aus Huminstoffen, pflanzlichen Gewebsresten und Mineralien (in geringen Mengen) GÖTTLICH (1976).

Die Entstehung des Torfes:

Der Abbau verstorbener Pflanzen oder Pflanzenteile durch Mikroorganismen wird in zwei grundlegende Prozesse aufgeteilt: die Mineralisierung und die Humifizierung. Zur Mineralisierung werden alle Prozesse gerechnet, bei denen organisches Material in anorganische Stoffe umgewandelt werden. Hierbei wird der Kohlenstoff i.d.R. in Form von CO2 und der Sauerstoff in Form von CO2 oder H2O freigesetzt. Bei der Humifizierung wird abgestorbenes Pflanzenmaterial in Huminstoffe (stickstoffenthaltende Humussubstanzen, i.d.R. Humine, Huminsäuren, Humoligninsäuren) und den Humusbegleitstoff Fulvosäure umgewandelt. Bodentiere, wie z.B. Regenwürmer, Athropodenlarven und Milben, tragen i.d.R. ebenfalls einen Teil zur Zersetzung von organischem Material bei. In Mineralböden befinden sich diese Prozesse in einem Gleichgewicht, so dass die Bilanz der organischen Substanzen ausgeglichen ist (keine Zunahme an organischen Stoffen). Hier finden die Mikroorganismen, welche für den schnellen Abbau organischer Substanzen verantwortlich sind, auch in tieferen Regionen noch lebensfreundliche Bedingungen, während die Lebensbedingungen in den Mooren nach unten hin rasch schlechter werden. Dies findet seine Ursache in erster Linie darin, dass der Boden der Moore mit Wasser gesättigt und damit sauerstoffarm ist. Eine Humifizierung findet nur unter aeroben Bedingungen statt, da nur aerobe Bakterien und Pilze zur Humifizierung befähigt sind. In den etwas tieferen, sauerstoffarmen Schichten befinden sich einige wenige anaerobe Bakterien. Es handelt sich hierbei jedoch ausschliesslich um mineralisierende Bakterien. Sie sind für die Methanbildung in manchen Mooren verantwortlich GÖTTLICH (1976).
Eine Zersetzung von Pflanzenmaterial durch Bodentiere findet im Moorboden durch den hohen Wassergehalt kaum oder gar nicht statt GÖTTLICH (1976). Neben dem niedrigen Sauerstoffgehalt der Moorböden hemmen der niedrige pH und der Gehalt an Gerbstoffen, wie das Tannin, welches in Sphagnen enthalten ist, die Aktivität der Mikroorganismen. Gerbstoffe wirken fungizid und antibacteriell SIEGLER (1998). Der niedrige pH kommt durch die physiologisch sauren Pflanzen, den hohen Gehalt an Huminsäuren und die geringe Konzentration des neutralisierend wirkenden Calcium in den Mooren zustande. Physiologisch saure Pflanzen sind Pflanzen die z.B. durch Abgabe von Wasserstoffprotonen den Boden ansäuern.

In Mooren, in denen hauptsächlich Gefässpflanzen dominieren, wie z.B. bei den Niedermooren, besteht der Torf fast nur aus den unterirdischen Teilen der Pflanzen. Dies kommt dadurch zustande, dass die Oberirdischen Teile nach dem Absterben dem Moorboden aufliegen, wo sehr gute Bedingungen für die mikrobielle Zersetzung herrschen. Wenn oberirdische Pflanzenteile im Torf erhalten bleiben, dann dadurch, dass sie durch irgendwelche Umstände schnell unter Luftabschluss gelangt sind. Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn ein Blatt auf eine Moosdecke fällt und von dieser schnell eingeschlossen und somit unter Sauerstoffabschluss gebracht wird.
Die unterirdischen Teile der Pflanzen sind meist durch Abbau etwas in ihrer Struktur verändert, da sie oft Durchlüftungsgewebe (Aerenchym) besitzen, welches bis zu einem gewissen Grad einen mikrobiellen Abbau ermöglichen. Meist lassen sich hier nur noch die Gewebe erkennen, welche durch eine starke Wandverdickung ausgezeichnet sind. Hierzu gehören z. B. die Rhizodermis (wenn verdickt), die Exodermis sowie die verholzten Teile der Leitgewebe und vor allem die Korkgewebe. Rhizodermis, Exodermis und das Korkgewebe sind unterschiedliche Abschlussgewebe der Wurzel höherer Pflanzen. Die gute Haltbarkeit dieser Gewebe ist auf ihre schwer abbaubaren Zellwandstoffe wie das Cutin und das Lignin zurückzuführen GÖTTLICH (1976).

Flechten, Lebermoose (Ausnahme: Telaranea setacea) und Pilze (ausser den Baumpilzen) werden stets gut zersetzt. Reste dieser Gruppen sind daher selten im Torf zu finden. Torfmoose dagegen bleiben teils sehr gut erhalten, so dass teilweise noch eine genaue Artbestimmung möglich ist. Die gute Haltbarkeit der Sphagnen ist u.a. auf ligninartige Substanzen, welche in Sphagnum nachgewiesen wurden, zurückzuführen GÖTTLICH (1976).

Wie gut die Pflanzenteile noch zu erkennen sind, hängt vom Zersetzungsgrad ab. Mit Zersetzungsgrad ist der Humifizierungsgrad gemeint, denn der Zersetzungsgrad macht eine Aussage über das Verhältnis von Huminstoffen zu deutlich erkennbaren Gewebsresten. Er wird als Humosität (H) in einer Skala von 1-10 angegeben. Kaum zersetzter Torf erhält die Humositätszahl 1 (H1), stark zersetzter Torf erhält die Humositätszahl 10 (H10). In schwach zersetztem Torf sind somit wenig Huminstoffe und viele Gewebsreste (bis zu gut erkennbaren Pflanzenteilen) enthalten, während in stark zersetztem viel Huminstoffe und wenig Gewebsreste enthalten sind. In manchen Torfen ist der Zersetzungsgrad so weit vorangeschritten, dass eine genaue Artbestimmung nicht mehr möglich ist. Bei den Sphagnum-Torfen ist dann aber oft noch eine Zugehörigkeit zu einer der drei im Hochmoor vorkommenden Sektionen (Artengruppen) erkennbar. Hierbei handelt es sich um die folgenden Sektionen: Cymbifolia, Cuspidata und Acutifolia GÖTTLICH (1976).

Torfe der Sektion Sektion Sphagnum (z.B. S. magellanicum oder S. papillosum) lassen z.T. die sehr grossen, breiten Blättchen, welche für diese Sektion typisch sind, noch erkennen. Die Torfe der Sektion Cuspidata weisen i.d.R. eine helle, bleiche bis stroh-gelbliche Farbe auf. Sie besitzen meist eine horizontale Spaltbarkeit mit papierdünnen Schichten. Diese Schichtung ist meist bei höheren Zersetzungsgraden noch sichtbar. Sie kommt dadurch zustande, dass diese Sphagnum-Arten oft in dauernd mit Wasser gefüllten Schlenken vorkommen und meist waagerecht auf dem Wasser schwimmen während die Vertreter der Sektion Sphagnum meist Bulte ausbilden. Die Torfe der Sektion Acutifolia weisen Reste von keineren Blättchen als die der Sektion Sphagnum auf. Die Arten der Sektion Acutifolia bilden Bulte aus und weisen daher keine horizontale Schichtung auf. Die Torfe dieser Sektion sind meistens dunkel, Zimt- oder rötlichbraun gefärbt GÖTTLICH (1976)..

Der meist in der tieferen Schicht liegende stark zersetzte Torf wird als Schwarztorf, der meist in der oberen Schicht liegende, schwach zersetzte Torf als Weisstorf bezeichnet. Der Schwarztorf ist, wenn er frisch gestochen ist, hell-gelblichbraun und dunkelt durch Oxidation an der Luft nach. Der Weisstorf ist i.d.R. mittelbraun GÖTTLICH (1976).

Neben den Torfmoosen sind zwei weitere Laubmoose in Hochmooren anzutreffen: Polytrichum strictum und Aulacomnium palustre. Diese Moose treten als Begleiter auf. Sie bilden niemals eigene Torfe aus GÖTTLICH (1976).

Im Torf sind ausser den Moos-Resten noch Reste der folgenden Pflanzen zu finden:

Besenheide (Calluna vulgaris (L.) HULL)
Moosbeere (Vaccinum oxycoccos L.)
Rosmarinheide (Andromeda polifolia L.)
Glockenheide (Erica tetralix L.)

Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum L.). Hierbei handelt es sich meist um die Faserschöpfe, die unterirdischen Blattscheidenbündel, die unterirdischen Achsen und die Wurzeln GÖTTLICH (1976).
Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium HONCK.) Hierbei handelt es sich meistens nur noch um die unterirdischen Achsen GÖTTLICH (1976).
Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri HOPPE)
Rasen-Simse (Scirpus caespitosus L.)
Weisses Schnabelriedes (Rhynchospora alba (L.) VAHL). Hierbei sind im Gegensatz zu den beiden Wollgräsern die Früchte gut erhalten, andere Teile dieser Pflanze sind im Torf kaum erhalten GÖTTLICH (1976).
Blumenbinse (Scheuchzeria palustris L.). Hierbei handelt es sich i.d.R. um die waagerecht kriechenden Wurzelstöcke, welche im Torf wie breite, gelbe, mehr oder weniger flachgedrückte Strohhalme erscheinen. Sie kommt meist in Cuspidata-Torfen vor, da sie sehr feuchtigkeitsbedürftig ist GÖTTLICH (1976).


Die Konservierung eines Pflanzenteils geschieht um so besser, je schneller er unter Sauerstoffabschluss gelangt. Wie schnell ein Pflanzenteil unter Sauerstoffabschluss gerät hängt u.a. von seiner Grösse ab. Pollen werden z.B. durch ihre geringe Grösse schnell von den Torf bildenden Pflanzen überwachsen und können und somit schnell unter Sauerstoffabschluss gelangen. Hierdurch findet eine schnelle Konservierung der Pollen statt, so dass sie in ihrer Struktur gut erhalten bleiben. Sie sind oft so leicht, dass sie über den Wind in die sonst von Gefässpflanzen kaum bewachsenen Hochmoore gelangen können. Somit können Torfe über Pollenanalysen eine Auskunft darüber geben, welche Vegetation in den umgebenden Gebieten zu vergangenen Zeiten geherrscht hat. Ausser Pollen und anderen Pflanzenresten können in den Moore auch tierische Reste oder Gegenstände konserviert werden. Solche Moorfunde geben einen geschichtlichen Aufschluss über Siedlungsformen, Hausbau, Inventar und Lebensweise, z.B. Lebensmittel, Jagdwaffen, Brennmaterial, Kleidung, Baumaterial und Opfergaben der Menschen (z.B. der Neandertaler) GÖTTLICH (1976). Man kann sogar die Entwicklung von Wildtieren zu Haustieren beobachten (z.B. beim Hund). Bei den Moorleichen sind meist Knochen und Muskeln aufgelöst, während Haut, Haare und Nägel gut erhalten geblieben sind. Dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass der hohe pH-Wert den Kalk aus den Knochen herauslöst und die Gerbstoffe Eiweisse fällen und Körperteile wie z.B. die Haut gerben.

Torfe weisen oft eine jahreszeitlich bedingte Schichtung auf, da die Pflanzendecke im Winter durch das Gewicht des Schnee zusammen gedrückt wird. Anhand der Schichtung des Torfes lässt sich der Zeitpunkt, zu dem der jeweilige Gegenstand bzw. das Lebewesen vom Moor konserviert wurde, errechnen. Somit können Moore wichtige Daten für die Rekonstruktion der Geschichte liefern GÖTTLICH (1976).

Sphagnum-Torfschichten können bis zu 1mm pro Jahr wachsen. So kann man davon ausgehen, dass eine 8 m dicke Torfschicht ca 8000 Jahre alt sein dürfte.