Das Hochmoor:

Was sind Hochmoore?
Als Hochmoore werden nährstoffarme (ombrotrophe) Moore bezeichnet, welche vom Regenwasser und nicht vom Grund- oder Bodenwasser abhängig sind. Den Namen "Hochmoor" verdanken sie ihrer Eigenschaft sich bis zu einigen Metern urglasförmig über den Mineralboden erheben zu können. Da sie ausschliesslich vom Regenwasser gespeist werden, werden sie auch als Regenmoore bezeichnet.

Die Entstehung der Hochmoore:
Die wichtigste Voraussetzung für die Entstehung ist ein hoher Niederschlag. Meist entstehen Hochmoore auf Niedermooren. Hierbei können die Niedermoore durch die Verlandung eines Sees oder durch die Versumpfung von Mineralböden entstanden sein. Erhebt sich der Torfkörper des Niedermoores über den Grund- oder Bodenwasserpegel kann sich hier mit der Zeit eine Hochmoorvegetation einstellen. In der Übergangsphase sind Vertreter beider Vegetationstypen anzutreffen. Der Moortyp während er Übergangsphase wird als Übergangsmoor bezeichnet. Der Torfkörper des Hochmoores wächst durch die Torfbildung mit den Jahren immer weiter über den Mineralboden hinaus, so dass ein urglasförmiges Gewölbe entstehen kann. Ein klassisches Hochmoor besteht aus einer Hochfläche, einem Randgehänge und einem Lagg. Die Hochfläche ist in der Regel relativ baumarm. Hier kommen vor allem die typischen Hochmoorarten wie z.B. Sphagnum sp., Oxycoccus sp., Andromeda polifolia und Rhynchospora alba vor. An Sphagnen sind hier vor allem S. magellanicum, S. rubellum, S. fuscum und S. balticum vertreten. Die Bäume die auf der Hochfläche wachsen (meist Kiefern) sind meist klein und weisen einen "verkrüppelten" Wuchs auf. Nur auf Mineralinseln innerhalb der Hochfläche werden sie etwas höher. Die Hochfläche enthält oft Kolke (mit Wasser gefüllte Vertiefungen) und verfügt über ein zentrifugales Entwässerungssystem mit unterirdischen Kanälen. Diese Kanäle können zu einstürzen so dass sogenannte Rüllen entstehen. Durch diese Erosionsvorgänge ist das Höhenwachstum der Hochmoore beschränkt. Das Flächenwachstum dagegen wird gefördert GÖTTLICH (1976).
Als Randgehänge wird der abfallende Rand des Hochmoores bezeichnet. Es ist in der Regel mit Bäumen bestanden (meist mit Kiefern). Der Baumbestand wird nach aussen hin immer dichter und die Bäume immer höher, so dass ein Wald entstehen kann. An diesen Stellen kommen nur noch wenige Hochmoorarten vor. Die allmähliche Höhenzunahme der Bäume mit abfallenden Hochmoorrand ist auf eine allmähliche Verbesserung der Nähstoffverhältnisse zurück zu führen. Neben den grösseren Gehölzen treten auch Zwergsträucher auf, die auf der Hochfläche nicht auftreten. Hierzu gehören z.B. Vaccinium uliginosum (Rauschbeere) und die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus L.). An Sphagnen können hier sowohl Hochmoorarten (z.B. Sphagnum magellanicum) wie auch Waldarten wie S. capillifolium und S. russowii auftreten. Als Lagg wird die nasse Randzone die das Hochmoor umgibt bezeichnet. Hier sammelt sich das Wasser, welches über das zentrifugale Entwässerungssystem der Hochfläche ausgeschieden wird. Da der Stoffumsatz hier viel höher ist, ist dieses Wasser viel nährstoffreicher als in der Hochfläche. Hier kann sich eine Niedermoorvegetation einfinden.
Nicht bei jedem Hochmoor ist eine deutliche Differenzierung in Hochfläche, Randgehänge und Lagg anzutreffen. Im Englischen werden Hochmoore als "bog" bezeichnet. Ein "bog" beschreibt ein nährstoffarmes (ombrotrophes) Moor unanhängig von dessen Form. Ein urglasförmig aufgewölbtes Hochmoor wird als "raised bog" bezeichnet.
Je nach Entstehung können die Hochmoore in zwei verschiedene Klassen aufgeteilt werden: in wurzelechte Hochmoore und in Versumpfungshochmoore. Bei den wurzelechten Hochmooren entsteht das Hochmoor direkt auf einem nassen, mehr oder weniger undurchlässigem Boden. Bei den meisten Hochmooren handelt es sich allerdings um Versumpfungshochmoore. Bei den Versumpfungshochmooren ist das Hochmoor auf einem Niedermoor entstanden sind. In diesen Fällen hat sich der Torfkörper über den Einfluss des Grund- oder Bodenwassers erhoben (Göttlich, 1976). Hier ist der Moorkörper aus verschiedenen Schichten aufgebaut. Die tiefsten Schichten bestehen oft aus Sedimenten eines ehemaligen Sees. Der Sedimentschicht folgt eine Niedermoor-Torfschicht und dieser liegt wiederum die Hochmoor-Torfschicht auf.

Die Vegetation der Hochmoore:
Der wichtigste Vertreter der Hochmoorpflanzen ist die Gattung Sphagnum. Sie werden gemäss ihren Feuchtigkeitsansprüchen in zwei Gruppen unterteilt: Die Bulttorfmoose und die Schlenkentorfmoose. Die Bulttorfmoose sind Sphagnum-Arten, welche an vergleichsweise trockenen Standorten zu finden sind. Sie bilden in der Hochmoordecke Erhebungen, sogenannte Bulten, die sich einige Dezimeter über die benachbarten, wasserreicheren Schlenken erheben können. Die Bulttorfmoose können durch ihren dichten Wuchst sehr gut Wasser halten. Sie trockenen weniger schnell aus als die Schlenkentorfmoose. Bulttorfmoose nehmen oft eine dunkle, bräunlich bis rote Farbe an. Zu den Bulttorfmoosen gehören z.B. Sphagnum magellanicum, S. fuscum und S. rubellum. Die Schlenkentorfmoose benötigen dagegen viel Wasser. Sie wachsen, wie der Name schon sagt, bevorzugt in den Schlenken der Hochmoordecke. Als Schlenken werden die wasserreichen Vertiefungen zwischen den Bulten bezeichnet. Schlenkentorfmoose schwimmen häufig auf dem Wasser oder schauen nur wenig aus dem Wasser heraus. Zu den Schlenkentorfmoosen gehören z.B. Vertreter der Sektion Cuspidata wie z.B. Sphagnum cuspidatum und S. majus. Sie sind häufig grün bis gelblich gefärbt können aber auch braun , orange oder golden sein. In den Trockenphasen sind die Bulten feuchter als die Schlenken, da die Bulttorfmoose eine bessere Wasserspeichenkapazität besitzen, als die Schlenkentorfmoose und ihr Wasser erst abgeben, wenn das Moor lange trocken liegt. Die Schlenkentorfmoose dagegen geben ihr Wasser schneller ab und trocknen daher bei länger anhaltender Trockenheit völlig aus. In nassen Wetterperioden dagegen sind die Bulte trockener als die Schlenken.
Da sich die Wasserverhältnisse zwischen den Bulten und den Schlenken deutlich unterscheiden sind auf den Bulten anderen Gefässpflanzen zu finden als in den Schlenken. Auf den Bulten sind v.a. Eriophorum vaginatum (Scheiden-Wollgras), Scirpus cespitosus (Rasenbinse) und einige Ericaceen (Heidekrautgewächse) wie z.B. Oxycoccus palustris (Gewöhnliche Moosbeere) und Andromeda polifolia (Rosmarinheide) sowie Drosera rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau) vertreten. In den Schlenken sind dagegen Pflanzen zu finden, die einen hohen Wassergehalt bevorzugen. Hierzu gehören z.B. Rhynchospora alba (Weisses Schnabelried), Drosera anglica (Langblättriger Sonnentau) und Scheuchzeria palustris (Blumenbinse). Da die Hochmoorfläche oft aus Bulten und Schlenken zusammengesetzt ist und daher verschiedene Vegetationstypen nebeneinander vorkommen, spricht man hier von einem Moorkomplex. Es gibt aber auch Moore, bei denen Schlenken nur selten oder gar nicht auftreten. Dies ist z.B. bei den voralpinen Mooren oft der Fall (Göttlich, 1976).
Hochmoore sind generell von einer artenarmen Vegetation geprägt. Die Artenarmut kommt zum einen durch die hohe Feuchtigkeit und den geringen Gehalt an verfügbaren Nährstoffen zustande zu anderen aber auch daher, dass die Sphagnen die Eigenschaft besitzen ihr Umgebung extrem anzusäuern. Sie können den pH auf Werte zwischen 3 und 5 herabsetzen. Hiermit schaffen sich die Sphagnen einen hohen Konkurrenzvorteil.